abgeschlossene Forschungsprojekte


Habilitationsprojekt
Grenzerfahrungen. Jüdische Perspektiven einer preußischen Peripherie

Abstract 
In der Monographie wird die Geschichte der ostpreußischen Grenzregion zwischen Nimmersatt und Wystiten für den Zeitraum von 1812 bis 1942 dargestellt. Neben den gesellschaftlichen Gegebenheiten in geographischen und sozialen Raumkategorien darzustellen steht deren Wahrnehmung und Gestaltung durch die jüdische Bevölkerung dieser Region im Mittelpunkt. Juden stellten an der ostpreußischen Grenze für den gesamten Untersuchungszeitraum einen konstitutiven Faktor dar. Während sie sich im 19. Jahrhundert vor allem an der Grenze innerhalb des wirtschaftlichen Raumes profilieren konnten, wurde ihre Rolle seit Ende des Jahrhunderts immer weiter zurückgedrängt, in dem Maße, in dem Erfahrung von Grenze Allgemeingut wurde und alle Akteure an der Grenze von dieser profitieren wollten. Als sich in der Region 1941 offensive Kräfte entfalteten, die auf geopolitische Veränderungen abzielten, verwandelte sich der Lebensraum, der jahrzehntelang von den Juden als Chance begriffen worden war, zu dem Ort ihrer Vernichtung; wurde ihre Territorialität zu ihrem Schicksal.
Institution. Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Humboldt-Universität Berlin,
Laufzeit:  2001-2007, Finanzierung: Thyssen-Stiftung.

Die Buchveröffentlichung:
Sabbatleuchter und Kriegerverein: Juden in der ostpreußisch-litauischen Grenzregion 1812-1942
Fibre Verlag (16. Dezember 2010)

Eine Übersetzung und Veröffentlichung in Englisch ist in Vorbereitung

 

DFG-Projekt: NBI Nation Borders Identities. The Revolutionary and Napoleon Wars in European Experiences and Memories,
Nationen, Grenzen, Identitäten: Die Erinnerungen an die Revolutions- und Napoleonischen Kriege in Russland und Polen (1815 - 1945
)
Teilprojekt 4  

Abstract 
Die geplante Studie untersucht im Rahmen des Gesamtprojektes Nations, Borders, Identities: the Revolutionary and Napoleonic Wars in European Experiences and Memories russische und polnische Erinnerungen an diese Kriege, in denen Russland von Anfang an eine führende Rolle spielte. Der russische Sieg über Napoleon 1812 leitete gar die Wende in den Kriegen ein. Russ­land nutzte seine Vorherrschaft in Osteuropa, um weite Teile Polens und Litauens im Zuge der drei polnischen Teilungen 1792, 1793 und 1795 langfristig zu annektieren. Im Kontext der Kriege kam es so zu erheblichen politischen Grenzverschiebungen im Osten. Zugleich boten die Ereignisse vielfältige Möglichkeiten zu interkulturellen Begegnungen. Beide Prozesse dürften überkommene Identitäten nachhaltig in Frage gestellt haben. Das Teilprojekt untersucht für den Zeitraum 1815 bis 1945, wie die Revolutions- und Napoleonischen Kriege in veröffentlichten Autobiographien, Kriegserinnerungen, historischen Romanen und Lyrik in Russland und Polen erinnert wurden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei für Rußland die Region Moskau, die einerseits ein wesentliches kulturelles Zentrum war und andererseits ganz massiv durch die Kriegshandlungen betroffen wurde. Für Polen steht die Region im Mittelpunkt, auf deren Territorium sich von 1807-1815 das Herzogtum Warschau befand. Die hauptsächliche Beziehung zwischen Rußland und der zu untersuchenden russischen Region gründet sich auf die Tatsache, daß das Herzogtum hauptsächlich aus dem russisch besetzten Teil Polens entstand und nach dem Wiener Kongreß ein Bestandteil des Königreiches Polen wurde, das erneut unter russische Oberhoheit geriet. Somit war diese polnische Region von einem enormen mehrfach wechselnden Spannungsfeld zwischen Opposition und Kollaboration gekennzeichnet. Dabei stehen folgende Fragen im Zentrum: Welche kollektiven Selbst-, Fremd- und Feindbilder wurden über die Erinnerungen in diesen Texten transportiert? Inwiefern stützen sie die Konstruktion regionaler und nationaler Identitäten? Welche Unterschiede, Gemeinsam­keiten und wechselseitigen Einflüsse lassen sich feststellen? Wer waren die Produzenten dieser Erinnerungstexte und welche Interessen verfolgten sie? Durch den Blick auf eine bisher stark vernachlässigte Region trägt das Teilprojekt entscheidend zur europäischen Dimension des Vorhabens bei.

Institution: BKVG, Frankreich-Zentrum (Freie Universität Berlin(, Laufzeit:2005-2009, Finanzierung: DFG.

Geschichte(n) aus dem Familienalbum. Das Memelland in der Nachkriegszeit  1944 – 1960

Abstract 
Bisher gibt es keine Geschichtsbücher zu der Nachkriegszeit von 1944 bis 1960 im Memelland. Alles Geschehene existiert nur in Erinnerungen und in Photoalben. Es gilt diese wichtigen Zeitzeugnisse, die Auskunft über das Profil einer regionalen Identität vermitteln,  zu erhalten, solange die Erlebnisgeneration noch existiert. Innerhalb des Projektes sammeln Studenten Photos und die damit verbundenen Erinnerungen. Alle Fundstücke werden eingescannt und in einer mehrsprachigen Datenbank dokumentiert und verschlagwortet. Die Quellenbasis stellt ein Fundament für künftige vergleichende Forschungen zu Minderheiten in Osteuropa von 1944 bis 1960 dar. Gegenwärtig werden in Litauen mehrere Ausstellungen mit thematisch ausgewählten Stücken der erhobenen Quellen gezeigt.

Institution: Institut für Geschichte und Archäologie der Baltischen Region (BRIAI) der Universität Klaipeda, Laufzeit: seit 2004, Finanzierung: ifa, Stuttgart. Jetzt wird das Projekt vom BRIAI weitergeführt.

 In the Beginning was the Final Act
Thinking about Europe among East European Dissidents in the 1980s

Abstract 
The Helsinki Final Act was a turning point of Cold War management especially since the inclusion of human rights issues in that document – the so-called Basket Three which first attracted little attention – created a unique platform for dissidents and the growing oppositional circles in the Soviet block countries. The declaration coincided with incipient discussions about national identities and a tentative intellectual re-orientation towards Europe. Thus, the ability to speak once again about “Europe” became important among the Helsinki groups of dissidents in the USSR, the Charta 77 and the members of the Polish KOR in the late 1970s and the 1980s. First, the decisions taken at Yalta and the consequent deconstruction of Europe (which the opposition thinkers had witnessed at first hand) became central themes in the closed and half-open debates and samizdat of dissidents in many East European countries. Later the disputes turned to conceptualizing “Europe”, for in private, the term was commonly held to denote the perception of Europe’s otherness. It was a code, understood as contrary to all things Soviet. In the case of Estonia, Latvia and Lithuania, the experience of independent statehood between the wars meant that concepts of “returning to Europe” figured mainly in the discourse of their respective national movements from their beginnings in the mid1980s. The common dream of “Europeanization” was linked with a return to the “normal order” after the long period under Communist rule and therefore initiated a re-thinking of processes of Soviet colonization / decolonization.
In the early 1990s many dissidents became increasingly ethno-nationalist in tone. But the main debates tying together the whole East European dissident space were all permeated by the theme of Europeanization. Despite national differences, all these debates shared a coherent subtext, as evidenced by the consequences they had both in the national public sphere and in the international context.
This part of the project highlights the strong interconnections between the discussions among progressive thinkers in Soviet block countries (the examples are the Baltic republics, Poland and Czechoslovakia) during late communism. Even issues such as the reassertion and persistence of national frames of reference were linked by a common conception of and aspiration to “Europeanization” in these debates. The various national discourses were not only connected, but productively interlinked and often produced a domino effect of mutual re-enforcement.

The European History Netwrok. (De)Europeanization and History: Concepts, Conflicts, Cohesion since 1890”, gefördert durch DFG und AHRC, Laufzeit: 2006-2008.

Unerkannt durch Freundesland. Subversiv reisen mit Transitvisa.

Abstract 
Private illegale bzw. halblegale Reisen aus der DDR in die UdSSR stellten in mehrfacher Hinsicht eine ganz eigene Art von Grenzüberschreitung dar. Neben dem Versuch zu recherchieren, wie weit derartige Reiseunternehmungen unter Jugendlichen in der DDR mit ganz unterschiedlichen Motivationen verbreitet waren, steht die Frage, inwiefern die sowjetischen Behörden von diesem Tourismus Kenntnis nahmen und in welcher Form sie darauf reagierten. Dazu gehören auch Schilderungen über nonkonformelles Reisen von Jugendlichen innerhalb der UdSSR. Die Forschung soll Antwort darauf geben, welche Möglichkeiten es gab, in der "verordneten Gesellschaft" Freiräume zu organisieren und welche überaus wichtige Funktion Reisen dabei erfüllten. 

Studium im Europa des 19. Jahrhunderts. Wechselwirkungen zwischen transnationaler Verflechtung und nationaler Identität

Das Expose des aktuellen Forschungsthemas ist unter dem folgenden Link nachzulesen: http://www.dhi.waw.pl/de/forschung/forschungsprogramm/nationale-identitaet-und-transnationale-verflechtung.html 


   Letzte Änderung: 12.11.2012